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Cengiz Kulaksiz

Da ich 1997 begonnen habe in der HKLS – Branche zu arbeiten und mich seit 2008 tagtäglich mit KundInnen über die Entwässerung von Abwasser austausche, möchte ich gerne an dieser Stelle meine Erfahrungen mit Ihnen teilen. Gleichzeitig informiere ich mich als langjähriges Mitglied im österreichischen Normungsausschuss über zukünftige Herausforderungen in der Gebäudeentwässerung.
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Wasserschaden

Abdichtung im Bad nach ÖNORM: Sorgen Sie für ein trockenes Zuhause

Die Abdichtung im Bad ist nicht nur ein wesentlicher Schritt im Bauprozess, sondern wird auch von internationalen und nationalen Normen wie der ÖNORM vorgeschrieben. Diese Richtlinien haben einen guten Grund: Sie sollen Baufachleute und Hausbesitzer vor teuren Bauschäden durch Wasser schützen. In unserem Blog-Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihr Bad gemäß der ÖNORM abdichten und so eine sichere und langlebige Substanz schaffen, die den professionellen Anforderungen der Norm gerecht wird. Lesen Sie hier, welche Schritte Installateure und Planer genau zu beachten haben!

Als klassische Hauptmieter in einem alten Zinshaus mitten in der Stadt Wien, war bei uns vor Jahrzehnten das Badezimmer nur notdürftig als Duschkabine in der Küche oder auch in Form eines größeren Kunststoffbehälters vorhanden. Die Situation und Duschroutine war bei vielen Familien ähnlich. Deshalb war unter den Wienern das sogenannte „Tröpferlbad“ sehr beliebt. Das sind allgemein zugängliche Badestätten für jene Personen die im eigenen Wohnraum keine Bademöglichkeit haben. Die Badesituation der Österreicher hat sich heute zum Positiven weiterentwickelt. Inzwischen verfügen laut Statistik Austria 93,5% aller Wohnungen in Österreich über eine Badegelegenheit.

Der Trend im Badezimmer geht heute in Richtung Wellness und Design. Um diesen Komfort jedoch problemlos und langfristig nutzen zu können, ist besonders auf die professionelle Abdichtung im Badezimmer wertzulegen. Eine mangelhafte Abdichtung im Bad kann zu Schimmelbildung, Schäden an der Wand oder Boden und Rost in Armaturen bzw. Elektrogeräten führen.

Warum wird die Abdichtung im Bad überhaupt benötigt?

Obwohl Fliesen eine gewisse Abführung von Wasser bieten, reicht dies nicht aus, um einen Schutz vor Feuchtigkeitsschäden zu gewährleisten. Die Fugen zwischen den Fliesen und anderen Bereichen wie Duschkabinen, Badewannen, Waschbecken und Toiletten benötigen eine Abdichtung unter den Fliesen, um sicherzustellen, dass das Sickerwasser nicht in die Wand oder den Estrich eindringt und Schäden verursacht. Deshalb wird in jenen Räumen, in der die Chance auf Wasserbelastung besteht unter dem Bodenbelag die sogenannte Verbundabdichtung aufgebracht (Was ist die Verbundabdichtung?). So wird Wasser auf unterer Ebene abgeleitet und es können im Falle von Sickerwasser und undichten Fugen große Schäden vermieden werden.

Jedoch ist eine Abdichtung nicht in allen Räumen eines Gebäudes notwendig. Die ÖNORM B 3407 unterscheidet verschiedene Beanspruchungsklassen. Je nach Nutzung eines Raumes sind die Anforderungen an die Abdichtung höher oder niedriger. Während in Wohnräumen ohne Bade- bzw. Duschmöglichkeit (z.B. Fußboden im Wohnzimmer) gar keine Abdichtung notwendig ist, gibt es solche, in welchen sogar mehrere Abdichtungsebenen  vorgeschrieben sind (mehr Infos zu den unterschiedlichen Abdichtungsebenen finden sie hier).

Normative Regelungen – Was sagt die ÖNORM?

Die Abdichtung eines Gebäudes und dessen Bestandteilen wird in zumindest drei Normen geregelt. Zu diesen zählen die Bauwerksabdichtung laut ÖNORM B 3691:2019 und ÖNORM B 3692:2014, sowie die Verbundabdichtung aus der ÖNORM B 3407:2022. Da die ÖNORM B 3691 hauptsächlich die Außenhülle regelt, befassen wir uns hier mit den anderen beiden Regelungen.

Feuchtigkeits – Beanspruchungsklassen

In einem Gebäude gibt es verschiedene Arten von Aufenthalts- und Nutzungsbereichen, weshalb hierfür insgesamt sechs Beanspruchungsklassen, W1 – W6, definiert sind. Nach der ÖNORM B 3692 benötigen die Klassen W1 – W2 (Wohnbereich, Büro) über keine besonderen Maßnahmen bei der Abdichtung. Die Klasse W6 (Terrassen, Loggien, Stiegen, offene Laubengänge) befasst sich mit der höchsten Feuchtigkeitsbeanspruchung im Außenbereich und ist deshalb nicht Bestandteil der Abdichtung für Badezimmer bzw. Duschen. Die Feuchtigkeit – Beanspruchungsklassen W3, W4 und W5 betreffen die Abdichtung in Bad und Dusche und werden deshalb hier im Detail beschrieben.

Feuchtigkeits – Beanspruchungsklasse W4: Hohe Wasserbelastung

Die Beanspruchungsklasse W4 behandelt Flächen mit häufigem, länger anhaltendem Einwirken von Wasser. Dies betrifft z.B. Duschen mit niveaugleichem/barrierefreiem Einbau. Auf den Punkt gebracht, kann diese Beanspruchungsklasse mit zwei Abdichtungsebenen definiert werden. In diesem Bereich ist zusätzlich zur Verbundabdichtung auf dem Estrich, eine Bauwerksabdichtung (Was ist die Bauwerksabdichtung?) auf der Rohbetondecke gemäß ÖNORM B 3692 auszuführen.  Dazu finden Sie die schematische Darstellung in den Abbildungen unterhalb:

Da hier doppelt abgedichtet wird, ist diese Art der Abdichtung im Bad auch mit höheren Kosten und mehr Aufwand verbunden. Es ist außerdem unklar inwieweit die Bauwerksabdichtung auf der Rohbetondecke zur Schadensvermeidung beitragen kann. Der Schaden entsteht bereits, wenn die Verbundabdichtung durchdrungen wird und Feuchtigkeit in den Estrich und die Schüttung eindringt. Die Bauwerksabdichtung kann somit den Schaden nicht zwangsläufig verhindern und unter Umständen sogar negativ zur Schadenshöhe beitragen da durch sie die Erkennung des Schadens verzögert wird und die Schadensidentifikation erschwert wird. Dies gilt allerdings nicht für Gebäude mit Holzkonstruktion: Hier ist das Bauwerk in jedem Fall mit einer Bauwerksabdichtung zu schützen.

Verbundabdichtung Plus – Eine neue Möglichkeit für W4

Zu den verschieden Feuchtigkeits- bzw. Beanspruchungsklassen der ÖNORMEN und deren Ausführen, gibt es seit dem Jahr 2020 das technische Merkblatt der Gewerke Innenausbaus. Dieses Merkblatt richtet sich an Planer und ausführende Gewerke. Gleichzeitig gilt es für private Bäder und gewerbliche Sanitäranlagen. In diesem Merkblatt wird eine Alternative bei der Abdichtung beschrieben. Statt der Bauwerksabdichtung kann lt. Merkblatt für Beanspruchungsklasse W4 die Verbundabdichtung plus anstelle der Bauwerksabdichtung als Stand der Technik gesehen, geplant und ausgeführt werden. Somit kann die Verbundabdichtung plus die Bauwerksabdichtung im Badezimmer ersetzen.

Die Verbundabdichtung Plus ist wie folgt definiert: „Wasserdichte Bahnenware (Spezifikation gemäß ETAG 022), verklebt mit CM oder RM- Verbundabdichtung (Produktspezifikation gemäß EN14891), 5 cm überlappend oder nach Herstellerangaben“. Diese zusätzliche Folie/Membran wird in die Verbundabdichtung unter den Fliesen eingearbeitet.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich die Gewerke eventuelle Herausforderungen mit der Befestigung auf der Rohbetondecke und Rohrdurchführungen im Bodenaufbau sparen. Dadurch können Bauherren ihre Kosten im Badezimmer reduzieren. Das System wird in Österreich von mindestens zwei Bauträgern angewandt. Die Verbundabdichtung plus gilt jedoch als Sonderkonstruktion und muss auch als solche ausgewiesen werden. Deshalb bedarf es hier in jedem Fall einer Vereinbarung mit dem Bauherren bevor diese geplant und umgesetzt wird.

Feuchtigkeits – Beanspruchungsklasse W5: Sehr hohe Wasserbelastung

Die Beanspruchungsklasse W5 befasst sich mit Duschanlagen wie z.B.: in Schulen, Schwimmbädern, sowie betrieblich industrieller Produktionsstätten wie z.B.: Laboratorien, lebensmittelverarbeitende Betrieben oder Großküchen. Dieser Bereich unterscheidet sich insofern von der Beanspruchungsklasse W4, dass die Bauwerksabdichtung auf Rohbetonebene im Gefälle ausgebildet wird und gleichzeitig über eine Entwässerungsmöglichkeit im Tiefpunkt verfügt.

(Für Auskünfte über die Planung Ausführung der Beanspruchungsklasse W5 im Detail beraten wir sie gerne unter support@hl.at oder telefonisch unter +43 2235 862910)

Feuchtigkeits – Beanspruchungsklasse W3: Mäßige Wasserbelastung

Die Beanspruchungsklasse W3 betrifft Flächen mit häufigem aber kurzzeitigem Einwirken von Wasser. Auf den Punkt gebracht, kann diese Beanspruchungsklasse mit einer einzigen Abdichtungsebene definiert werden. Dazu finden Sie die schematische Darstellung  unterhalb:

In diesem Bereich ist eine Verbundabdichtung auf dem Estrich, bei Fliesen/keramischen Belägen gemäß ÖNORM B 3407 auszuführen. Dabei stößt die Möglichkeit einer flachen Duschtasse mit einer Schwelle von > 20 mm über dem Gehbelag bei Bauträgern auf Beliebtheit, da mit dieser Ausführungsvariante die kostspielige Bauwerksabdichtung vermieden werden kann und trotzdem ein komfortabler Einstieg in die Dusche möglich ist (siehe Bild).

Als Ratgeber für die ÖNORM und die Feuchtigkeits- bzw. Beanspruchungsklassen empfehlen wir Ihnen unseren Guide zum Thema Abdichtungsklassen herunterzuladen:

Tabelle Beanspruchungs- bzw. Feuchtigkeitsklassen
Klicke das Bild um die Tabelle als PDF herunterzuladen

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine professionelle Badabdichtung ein wichtiger Faktor für ein trockenes Badezimmer ist. Eine mangelhafte Abdichtung kann zu Schimmelbildung und Schäden führen, während eine gute Abdichtung eine lange Nutzung des Badezimmers ermöglicht. Die ÖNORM unterscheidet unterschiedliche Beanspruchungsklassen, die eine Anpassung der Abdichtungsmaßnahmen erfordern. Neben den diversen Normen, welche die Abdichtung betrachten gibt es seit 2020 auch das Merkblatt „Unser Bad“ der Gemeinschaft Gewerke Innenausbau, welches die Normenlandschaft – und auch die damit einhergehende Haftungsfrage – mit der Verbundabdichtung plus um einen Aspekt erweitert. 

 

Hat Ihnen dieser Artikel geholfen? Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zum Thema? Oder können Sie schon von Reklamationen oder Problemen beim Thema Abdichtung im Bad berichten? Dann lassen Sie uns es in den Kommentaren wissen. Wenn Sie weitere, detailierte Informationen zur normgerechten Abdichtung von Badezimmern haben möchten dann melden Sie sich für eines unserer Seminare an oder melden Sie sich schriftlich oder telefonisch direkt bei uns. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.

 

 

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Quellen:

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  1. Vielen Dank für diesen Beitrag zum Thema Abdichtung. Gut zu wissen, dass die Abdichtungen besonders wichtig sind, um Schimmel zu vermeiden. Ich werde mir einen Bauwerksabdichter für die Abdichtung suchen.

  2. Ich lasse bald mein Bad renovieren. Daher ist es interessant, dass für Beanspruchungsklasse W3 eine Abdeckungsebene reicht. Ich wusste nicht, dass es richtig Klassen zur Unterscheidung gibt. Ich werde mal die Firma fragen, was sie diesbezüglich geplant haben.

  3. Eine wichtige Frage: Was passiert mit dem Wasser, dass (zB bei gefliesten barrierefreien Duschen) über Fugen eindringt und zwischen den Fliesen und der Verbundabdichtung (das ist ja eine Sperrschicht) eingeschlossen ist?

    Sättigen sich der Fliesenkleber und allfällige Hohlräume so lange, bis diese kein Wasser mehr aufnehmen?

    Anders kann ich es mir nicht erklären.

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