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Cengiz Kulaksiz

Da ich 1997 begonnen habe in der HKLS – Branche zu arbeiten und mich seit 2008 tagtäglich mit KundInnen über die Entwässerung von Abwasser austausche, möchte ich gerne an dieser Stelle meine Erfahrungen mit Ihnen teilen. Gleichzeitig informiere ich mich als langjähriges Mitglied im österreichischen Normungsausschuss über zukünftige Herausforderungen in der Gebäudeentwässerung.
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Tropfkonzert im Regenfallrohr

Wer kennt es nicht: nervige Tropfgeräusche die einen auf die Palme bringen. Das bekannteste Beispiel ist ein undichter Wasserhahn den man erst dann als störend registriert, wenn es still ist und keine Nebengeräusche das Tropfen überlagern. Das Gefühl, dass es mit jedem Tropfen lauter wird kann einem dabei den Schlaf rauben, bis man genervt aus dem Bett springt und zur Zange oder zum Ohrstöpseln greift. Der Störenfried kann aber häufig von Eigenhand oder einem Fachmann schnell aus der Welt geschaffen werden. Wie sieht es aber aus, wenn die Tropfgeräusche von außerhalb des Gebäudes, bei geschlossenen Fenstern und Türen zu hören sind, obwohl der letzte Regen schon einige Stunden oder Tage zurückliegt. In diesem Artikel erfahren Sie, wieso ihr Regenfallrohr laut ist, was Tropfgeräusche damit zu tun haben, wie sie entstehen und wie man sie los wird.

Tropfgeräusche aus der Regenwasserentwässerung sind für betroffene Bewohner ein nicht zu unterschätzender Störfaktor der viel Diskussions- und Streitpotential in sich birgt. Der Erfahrung nach fühlt sich für dieses Problem oft niemand verantwortlich. Zahllose E-Mails zwischen Bauträgern, den einzelnen Gewerken und den Bewohnern folgen ohne wirklich zu einer Lösung zu kommen. Was bleibt sind verdutzte und verärgerte Wohnungsbesitzer. Bevor darauf eingegangen wird, warum ihr Regenfallrohr laut ist, wollen wir dem „Ploppen“ der Wassertropfen auf den Grund gehen. 

Warum ploppen eigentlich Wassertropfen?

Ein Wissenschaftler der Universität Cambridge stellte sich nach einer schlaflosen Nacht, in der auch er selbst unter Tropfgeräuschen von fallenden Wassertropfen litt die Frage warum Wassertropfen denn überhaupt „ploppen“. Anurag Agarwal von der Universität Cambridge machte die nervige Erfahrung als er bei einem Freund übernachtete dessen Hausdach undicht war. Unter der undichten Stelle fielen die Tropfen auf einen dort platzierten Behälter und sorgten dafür, dass der Mann über die Physik dahinter nachdachte. Das veranlasste den jungen Studenten die Tropfgeräusche wissenschaftlich zu erforschen. Bislang wurde immer angenommen, dass das spezifische „Plopp-Geräusch“ durch den Aufprall des Tropfens auf der Wasseroberfläche entsteht. Dem ist aber nicht der Fall. Auch das hochspritzende Wasser bleibt stumm. Bei einem Experiment mit Hochgeschwindigkeitskameras beobachteten Wissenschaftler die aufprallenden Wassertropfen, dabei zeichneten hochempfindlichen Mikrofone unter und über der Wasseroberfläche die Geräusche auf. Erstaunlicherweise wurde festgestellt, dass das Tropfgeräusch von der Luft ausgelöst wird.

Und so funktioniert es

Beim Aufprall des Tropfens wölbt sich die darunter befindliche Wasseroberfläche zunächst ein. Aufgrund der hohen Oberflächenspannung schließt sich aber das Wasser sofort wieder. Dabei wird eine Luftblase kurzfristig unter Wasser gefangen. Diese vibriert und versetzt dadurch die Wasserschicht, die sich unmittelbar um sie geschlossen hat, ebenfalls in Schwingung. Die Wasseroberfläche wird laut den Ingenieuren zum „Kolben“, der das Tropfgeräusch erzeugt.        Vereinfacht gesagt zerplatzt die Luftblase die sich zwischen Tropfen und Wasseroberfläche befindet und wird durch das umgebene Wasser der Luftblase noch verstärkt.  Aus der Erkenntnis, dass die Oberflächenspannung der Wasseroberfläche für das laute Tropfgeräusch verantwortlich ist, kann durch deren Veränderung, etwa durch Beigabe von weinig Spülmittel, die Lautstärke der Tropfgeräusche verringert werden.

Regenrauschen empfindet man entspannend hingegen Tropfgeräusche nervtötend

Tropfgeräusche die in Regenfallleitungen entstehen werden durch die Hohlräume in den Regenwasserrohren zusätzlich verstärkt. Ähnlich wie bei den meisten Musikinstrumenten die mit einem Hohlraum (Resonanzkörper) ausgestattet sind werden Töne und Klänge dadurch noch verstärkt. Ein ideales Umfeld um Geräusche laut und weit zu übertragen. Die Übertragung der Geräusche in das Gebäudeinnere erfolgt in weiterer Folge über Körper- und Luftschall. Bei Regen sind kaum störende Tropfgeräusche wahr zu nehmen, eher gleichmäßiges Rauschen. Diese langsamen Zischlaute empfindet man in der Regel sogar entspannend und können sogar zu einem erholsamen Schlaf beitragen. Anders ist es jedoch, wenn nur tropfenweise Wasser über mehrere Stockwerke fallend auf eine Wasserlacke aufprallt. Das hört sich dann so an, als ob jemand mit einem kleinen Hammer gegen das Regenfallrohr klopft. Von Ruhe und Schlafen kann bei diesen nervtötenden Geräuschen natürlich keine Rede sein.

Wieso tropft das Regenwasser eigentlich so lange nach, obwohl der letzte Regen Stunden oder Tage zurück liegt?

Wohnhäuser werden heutzutage fast ausschließlich in moderner Flachdachbauweise errichtet. Dadurch entstehen auf den Dächern gerade Flächen die im Besten Fall als Dachterrassen genutzt werden. Eine beliebte Form der Gestaltung dieser Flächen ist die Begrünung die nicht nur das menschliche Auge erfreut und die Lebensqualität steigert, sondern auch einen wichtigen Beitrag für das Mikroklima z.B. in der Stadt leistet (Artikel zu Gründächern verlinken). Die Dachaufbauten genutzter Dächer sind so aufgebaut, dass auf diesen das anfallende Regenwasser zeitverzögert der Dachentwässerung zugeführt wird, was bedeutet, dass der Regen auf dem Dach temporär gespeichert wird. Zuerst wird der Dachaufbau mit Regenwasser gesättigt und erst die Feuchte die darin nicht gebunden werden kann sickert auf die darunterliegende Dachabdichtung und wird über das Entwässerungssystems abgeleitet.

Welchen Weg nimmt das Regenwasser vom Dach bis in den Kanal?

Prinzipiell gilt der Grundsatz: das Regenwasser ist auf schnellsten und kürzesten Weg aus dem Gebäude zu leiten, um die Gebäudehülle keiner unnötigen Feuchtigkeitsbelastung auszusetzten. Bei Wohnhaus Flachdachbauten erfolgt die Ableitung fast immer horizontal durch die Attika bzw. Dachbrüstung. An dieser Stelle ermöglichen abgewinkelte Abläufe (Attikaabläufe) eine dichte horizontale Durchführung des Regenrohres aus dem Gebäude. Das dabei herausstehende Regenrohr mündet in einen an der Fassade positionierten Regenfangkasten in dem das Wasser zugleich in das senkrechte Regenfallrohr umgeleitet wird. Regenfallrohre münden danach einige Stockwerke tiefer in eine Regensinkkasten wo die Geräuschkulisse durch das Abtropfen des Regenwassers entsteht.

Wo genau liegt jetzt die Ursache für tropfendes Regenwasser?

Das horizontale Regenrohr endet frei auslaufend im Regenfangkasten, welcher somit das liegende Rohr und das Regenfallrohr verbindet. Bei größerem Volumenstrom des Wassers sind Tropfgeräusche nicht wahrzunehmen, da hier die Geräuschkulisse des Regens alle anderen Geräusche übertönt. Spannend wird es erst wenn die große Regenmenge schon abgeflossen ist und langsam das Restwasser bzw. die Restfeuchte nachkommt. Dadurch, dass das Regenrohr frei in den Regenfangkasten mündet reißen die Tropfen an dieser Stelle ab und stürzen im freien Fall über mehrere Stockwerke in den Regensinkkasten bzw. auf die Umlenkung in das liegende Regenrohr.  

Tropfgeräusche durch freien Fall der Wassertropfen

Wie kann ein lautes Regenfallrohr verhindert werden?

Um das Abreißen der Tropfen an der Rohrmündung zu verhindern müssen die anfallenden Regentropfen an die Innenwand des Regenfangkasten oder des Regenfallrohrs abgeleitet werden, damit sich diese nicht lösen und fallen können, sondern an der Innenwand hinunterlaufen. Ein Blechstreifen der die beiden Bauteile verbindet kann hier die Tropfen an die gewünschte Stelle ableiten. Sobald die Tropfen an der Innenwand abgeleitet wurden verhindern Kohäsionskräfte das sich diese wieder lösen und können so ungestört entlang der Rohrinnenwand der Fallleitung abrinnen. Da es für diese Problemlösung keine fertigen Bauteile gibt ist hier die handwerkliche Fertigkeit eines Spenglers gefragt der hier mit wenig Aufwand und einem Streifenblech den verzweifelten Bewohnern das Leben in den eigenen vier Wänden wieder ein wenig verschönern kann. Betroffene wissen, dass diese Formulierung keine Übertreibung ist.

Darstellung des Blechstreifens zur Ableitung der Wassertropfen
Darstellung des Blechstreifens

Fazit

Mit nervigen Tropfgeräuschen muss man sich nicht abfinden. Wenn die genaue Stelle ausfindig gemacht wurde an der sich der Wassertropfen in der Rohrleitung löst, kann das Problem schnell aus der Welt geschaffen werden. Wenn Ihnen das beschriebene Problem bekannt vorkommt dann handeln Sie jetzt und kontaktieren Sie einen Spengler Ihres Vertrauens, um den nächtlichen Albtraum zu beenden! 

Um zu erfahren, ob Sie mit Hilfe von diesem Artikel dem Tropfkonzert den letzten Akt bereiten konnten würde ich mich sehr um Ihr Feedback freuen.

 

#!trpst#trp-gettext data-trpgettextoriginal=669#!trpen#6 Responses#!trpst#/trp-gettext#!trpen#

    1. Sehr geehrter Herr Glück,

      entschuldigen Sie die späte Rückmeldung. Wir werden uns intern darum bemühen eine sinnvolle Darstellung des Blechstreifens für Sie zu erstellen und uns zeitnahe bei Ihnen melden.

      MfG

    1. Hallo Hr. Wagner,

      Ganz allgemein zum Einbau und der Lösung:
      Bei dem beschriebenen Blechstreifen handelt es sich um keinen standardisierten Bauteil der universell
      für jede Situation passt. Die Beschreibung von diesem soll vielmehr ein Lösungsvorschlag für den Spengler sein
      der dieses Streifenblech selbst anfertigen kann und durch nieten an den betreffenden Bauteilen befestigt.

      LG aus Himberg

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