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Cengiz Kulaksiz

Da ich 1997 begonnen habe in der HKLS – Branche zu arbeiten und mich seit 2008 tagtäglich mit KundInnen über die Entwässerung von Abwasser austausche, möchte ich gerne an dieser Stelle meine Erfahrungen mit Ihnen teilen. Gleichzeitig informiere ich mich als langjähriges Mitglied im österreichischen Normungsausschuss über zukünftige Herausforderungen in der Gebäudeentwässerung.
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Mesopotamien

Die Funktion des Siphons: Eine spannende Reise durch die Geschichte dieses wichtigen Sanitärbauteils

Seitdem das Installateur Handwerk aufkam, wurde der Siphon als eine seiner wichtigsten Komponenten verwendet. Die wichtigste Siphon Funktion: das Zurückhalten von Kanalgasen. Daher ist der Siphon seit über 150 Jahren unverzichtbar für jede Sanitärinstallation. In diesem Blog-Beitrag tauchen wir tief in die Geschichte und die Entwicklung des Siphons ein, einschließlich der neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet, die Sie kennen müssen, um sichere und zuverlässige Sanitärsysteme für ihre aktuellen Projekte zu schaffen. Lesen Sie weiter, um mehr über die Vergangenheit, die Gegenwart und die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten dieses klassischen Sanitärbauteils und die entscheidende Funktion des Siphons zu erfahren

Die Anfänge der Kanalisation: Indus-Kultur & Römer

Zwischen Euphrat und Tigris, den zwei Flüssen im Nahen Osten erstreckt sich eine ca. 350 000 km2 große Fläche, die nicht zuletzt wegen der hohen Wasserverfügbarkeit schon seit Menschengedenken als eine der wichtigsten Kulturlandschaften am eurasischen Kontinent gilt. Dieser Landstreifen der sich im heutigen Irak, Syrien bzw. der Türkei befindet ist unter dem Namen Mesopotamien (deutsch: Zwischenstromland) bekannt. Schon 11 000 v.Chr. lassen sich hier die ersten Besiedelungsspuren nachweisen. Etwa 4000 v.Chr. entsteht mit den Sumerern hier eine der ersten menschlichen Hochkulturen. Die Sumerer waren für damalige Verhältnisse ein äußerst weit entwickeltes Volk und obwohl sie schon aufwendige Häuser – ja sogar Monumente – bauten, fehlte etwas ganz Entscheidendes in ihren Bauten: Toilette & Bad.

Mesopotamien
Das zwischen Euphrat und Tigris liegende Mesopotamien

Leicht zeitversetzt zu den Sumerern entwickelte sich im heutigen Indien die Indus Kultur. Die für damalige Verhältnisse weit entwickelte Indus-Kultur hatte ausgeprägte Landwirtschaft und betrieb regen Handel aber geschichtlich ist sie vor allem als Architektenvolk in Erinnerung geblieben. Schon 2800 v.Chr. führte die Indus-Kultur Stadtplanungen durch, pflasterte Straßen und hatte den Sumerern vor allem eins voraus: Jedes Haus besaß ein eigenes Bad/eine eigene Toilette die an die städtische Kanalisation angeschlossen war. Aber auch hier gab es ein Problem. Durch den direkten Anschluss an die Kanalisation und fehlenden Siphons/Geruchsverschlüsse kam es zu einem unangenehmen Nebeneffekt, denn die Kanalgase konnten durch die Kanalisation in die Häuser aufsteigen. Das Resultat: In den Häusern der Indus-Kultur stank es.

Kanalisation Indus Kultur
Die Kanalisation der Indus-Kultur ca. 3000 v.Chr.

Knapp 3000 Jahre später ist das römische Reich auf seinem Höhepunkt: Im Nordosten reicht es bis zum Rhein und an die Donau und im Osten und Südosten unterwirft man Syrien und Ägypten. Auch technologisch und strukturell befindet sich das Reich auf seinem Höhepunkt. Die Römer erfinden die Fußbodenheizung und sie bauen aufwendige Häuser und Städte mit Kanalsystemen. Aber auch sie hatten aufgrund von fehlenden Siphons dasselbe Problem: In ihren Häusern stank es.

Der Weg in die Moderne

Mit dem Fall des weströmischen Reiches um 500 n.Chr. beginnt das Mittelalter und das Wissen über Kanalisationsbau und Sanitärtechnik geht dabei weitgehend verloren. Die hygienischen Umstände sind nicht mit jenen der Antike zu vergleichen. Hausmüll und Abwasser werden auf der Straße entsorgt und auch Fäkalien finden sich dort wieder. Doch in der Neuzeit entstehen wieder große Städte, die aber aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen häufig von Epidemien heimgesucht werden. Erst 1858, im „Jahr des Großen Gestankes“ beschließt London den Bau einer unterirdischen Kanalisation, nachdem die Londoner die Jahre zuvor Erfahrung mit etlichen Cholera-Epidemien machen mussten.

Wiener Kanalsiation
Mauerwerke der Wiener Kanalisation im 19. Jahrhundert

Doch schon 100 Jahre zuvor war es Maria Theresia die den Auftrag gab Wien zur ersten vollkanalisierten Stadt Europas zu transformieren. Der hygienische und gesundheitliche Durchbruch gelang Wien dann mit der Einwölbung der diversen Wienerwaldbäche (diese wurden illegal zur Abführung von Fäkalien missbraucht) und dem Bau der 1. Wiener Hochquellwasserleitung. Dennoch verband die antiken Bauten der Römer und Maria Theresias Schloss Schönbrunn ein Problem. Auch im Wien des 18. Jahrhunderts dachte man nicht an Geruchsverschlüsse bzw. Siphons. In den Schlössern und Räumlichkeiten der „Kaiserin“ stank es ebenfalls.

Die Erfindung des ersten Siphons & die ursprüngliche Siphon Funktion

Zurück in England, im Norden Londons lebt 1775 ein Uhrenmacher namens Alexander Cummings. Er hat das Problem, dass ihm beim Säubern kleiner Uhrenteile diese immer wieder verloren gingen, da sie in den Abfluss fielen. Seine Lösung dafür: Ein gebogenes Rohr das der Abwasserleitung vorgesetzt wird und die Uhrenteile und andere Objekte einfängt. Der Siphon war erfunden. Bis heute wird der Siphon daher im Englischen als „trap“ (deutsch: Falle) bezeichnet. Ein nicht unwesentlicher „Nebeneffekt“ des Siphons war, dass Kanalgase nicht mehr aufsteigen konnten, auch sie waren im Kanal gefangen.  Heute ist die wichtigste Siphon Funktion der Schutz vor Geruchsbelästigung durch aufsteigende Kanalgase bzw. Gerüche. Der von Cumming erfundene Siphon wurde von der Französin Benoist Jahre später adaptiert und 1823 patentiert.

S-Bend
Der von Cumming 1775 patentierte S-förmige Siphon

 

Die Idee von Cummings erstem Röhrensiphon (ein gebogenes Rohr in dem beide Rohrhälften miteinander „kommunizieren“) wurde später in diversen Formen angewendet um effektiv Geruchsbelästigungen aus unseren Haushalten fernzuhalten. Beispiele dafür sind der Flaschensiphon (z.B. Urinal), der Tassensiphon (Duschrinne) oder der Glockensiphon (Bodenablauf). Das Grundprinzip des Wassergeruchsverschlusses (bzw. hydraulischer Geruchsverschluss) ist in der Entwässerungstechnik vielfältig einsetzbar.

Kugeln, Klappen und Co.: Mechanische Geruchsverschlüsse und deren Siphon Funktion im Überblick

Doch damit ging die Entwicklung der Geruchsverschlüsse noch nicht zu Ende. Insbesondere ein Problem blieb bestehen: Wird der Siphon lange nicht benutzt trocknet das Wasser, welches die Geruchssperre bildet, aus. Dann geht die Siphon Funktion verloren und Gestank kann austreten. Das kommt vor allem in solchen Einsatzgebieten vor wo Sanitäranlagen länger nicht in Betrieb sind. Zum Beispiel in Ferienhäusern, Hotels oder bei Siphons für Heizungs- und Klimageräten (Z.B. Tropftrichter oder Kondensatsiphon). Auch durch schlechte Druckverhältnisse im Rohrsystem kann es zu einer ähnlichen Situation kommen: Herrscht Unterdruck im Abwassersystem kann ein Siphon leergesaugt werden.

Die ersten Lösungen zu diesem Problem wurden im 20. Jahrhundert umgesetzt und sind heute als mechanische Geruchsverschlüsse bekannt. Ein Beispiel dafür bilden Ablaufkonstruktionen mit schwimm-fähigen Kugeln die vom Wasser angehoben werden und somit ein Abrinnen des Wassers ermöglichen. Verdunstet das Wasser legt sich die Kugel auf einen Dichtsitz und verhindert das Austreten von Kanalgasen. Die Problematik einer solchen Gestaltung ist, dass sich durch den Querschnitt der Kugel die Ablaufleistung verringert. Deshalb kommen diese Kugelsiphons heute hauptsächlich in Anwendungsfällen vor bei denen Ablaufleistung eine untergeordnete Rolle spielt (z.B. Kondensatsiphon).

Eine andere Variante der mechanischen Geruchsverschlüsse sind z.B. die Klappenventile, welche aber wegen der geringeren (Geruchs-)Dichtheit nach langem Gebrauch hauptsächlich im Außenbereich vorkommen.

2000 entwickelt das österreichische Unternehmen HL einen mechanischen Geruchsverschluss der sich auch für Anwendungen, welche hohen Kapazitäten (z.B. Bodenablauf/Duschablauf) fordern, einsetzten lässt. Der Primus Geruchsverschluss erfreut sich seit über 20 Jahren großer Beliebtheit und findet bis heute in Österreich und ganz Europa weite Verbreitung. Ausschlaggebend für den Erfolg des Primus Geruchsverschluss ist die glockenförmige Bauweise, welche im Vergleich zum Kugelsiphon größere Querschnitte zulässt und damit höhere Leistungen erreichen kann.

Hybrid-Geruchsverschlüsse als moderne Siphon-Technologie

Doch es gibt ein Problem, das auch bei mechanischen Geruchsverschlüssen häufig bestehen bleibt. Entsteht im Kanal Überdruck, was in komplexen Kanalsystemen keine Seltenheit ist, werden Kanalgase durch den Bodenablauf nach außen gedrückt. Dann kommt es im Badezimmer zu jener Geruchsbelästigung die schon die Römer und Maria Theresia kannten. Deshalb wurden Geruchsverschlüsse entwickelt welche auch in Überdrucksituationen dicht sind. Zum Beispiel der Primus blue von HL, der die Weiterentwicklung des bewährten Primus-Systems ist. Der Primus blue verbindet einen mechanischen und hydraulischen Geruchsverschluss und wird deshalb als Hybrid-Geruchsverschluss bezeichnet. Hier öffnet ablaufendes Wasser einen Ventilteller, welcher sich beim Abreißen des Wasserstroms wieder schließt (siehe Video Funktionsprinzip  Primus Blue Siphon Funktion).

Die geruchsfreie Duschrinne

Mit der HL531Prblue Duschrinne bietet HL jetzt auch eine Duschrinne mit Primus blue an. Die HL531Prblue ist damit die erste Duschrinne mit Hybrid-Geruchsverschluss und ist vollkommen geruchsdicht auch nach Austrocknung. Ein weiterer Vorteil ist die oben beschriebene Geruchsdichte bei Überdruck, welche auch eine Rückflusssicherung mit sich bringt. Damit schützt der Primus blue Geruchsverschluss auch vor rückfliesendem Brauchwasser (z.B. aus Badewannen).

Die Geschichte des Geruchsverschlusses geht auf Probleme mit Gerüchen und Krankheiten zurück, die durch Sanitäranlagen und Kanalisation entstanden. Der Siphon ist im modernen Haushalt so selbstverständlich geworden, dass uns die Bedeutung dieser simplen Hygienemaßnahme gar nicht mehr bewusst ist. Denn der Schutz vor Kanalgasen dreht sich nicht nur um Komfort, sondern betrifft auch gesundheitliche Aspekte. Neben dem herkömmlichen Siphon sind heute häufig mechanische Geruchsverschlüsse wie z.B. Kugelsiphons im Einsatz. Hybride Siphons sind die neueste Erfindung von HL, die die besten Eigenschaften von mechanischen und traditionellen Siphons in sich vereinen.  Wenn Sie weitere Informationen zum Hybrid-Geruchsverschluss von HL benötigen, dann laden Sie das Prospekt zur Duschrinne HL531Prblue oder unser „Prospekt Barrierefrei“ (inkls. HL541 Duschablauf mit Primus blue) herunter.

Was halten Sie von diesen verschiedenen Siphon-Technologien? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen.

Quellen

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